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CO₂-Budget & Paris-Prozess

Verbleibende CO₂-Budgets und der Nachbesserungsprozess von Paris

Vom globalen Budget zu fairen, ökonomisch sinnvollen und realisierbaren nationalen Klimazielen.

Pariser Abkommen
„Dieses Übereinkommen zielt darauf ab, (…) die Begrenzung des Anstiegs der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau und die Fortsetzung der Bemühungen, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, wobei anerkannt wird, dass dies die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels erheblich verringern würde.“

Das verbleibende CO₂-Budget

CO₂ reichert sich in der Atmosphäre an. Deshalb bestimmt die Summe der CO₂-Emissionen, die wir ausstoßen, inwieweit wir die menschengemachte Erderwärmung begrenzen können. Das ist die Budgeteigenschaft von CO₂.

Was sagt der IPCC zu verbleibenden CO₂-Budgets?

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) hat im August 2021 in seinem Sechsten Sachstandsbericht die folgenden verbleibenden Budgets veröffentlicht (Auszug aus Tabelle SPM.2 des IPCC AR6, Arbeitsgruppe I):

Verbleibende CO₂-Budgets aus Tabelle SPM.2 des IPCC AR6, Arbeitsgruppe I
Zum Vergrößern auf die Abbildung klicken.

Ein Beispiel: Mit der Einhaltung der 1,5-°C-Grenze mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 % korrespondiert ein verbleibendes Budget von 400 Gt CO₂ ab 2020.

Im Jahr 2019 wurden global rund 40 Gt CO₂ emittiert (Quelle: Global Carbon Project).

Politische Einordnung

Die Einhaltungswahrscheinlichkeiten, weitere Unsicherheiten beim verbleibenden Budget und die sozioökonomischen Folgen der notwendigen Dekarbonisierungsgeschwindigkeit machen letztlich eine politische Entscheidung darüber notwendig, an welchem globalen CO₂-Budget wir unsere nationalen Reduktionsambitionen ausrichten.

Pariser Nachbesserungsprozess und neue Verhandlungsformate

In Paris wurde vereinbart, dass die Staaten immer ehrgeizigere national festgelegte Beiträge (NDCs) beim UNFCCC vorlegen sollen. Das ist der Pariser Ambitionsmechanismus.

Der UNFCCC-Synthesebericht zu den NDCs und der Climate Action Tracker bereiten den aktuellen Stand auf.

Entscheidend dürfte sein, dass die großen Emittenten ein neues Verhandlungsformat für bindende Ziele finden (siehe dazu Prof. Edenhofer). Der Pariser Ambitionsmechanismus allein wird voraussichtlich nicht zum Ziel führen.

Globaler Diskurs über Paris-kompatible NDCs

Für 2025 waren nachgebesserte NDCs vorgesehen (Global Stocktake). Sie sind für die notwendigen Reduktionen bis 2030 und 2035 zentral, wenn die Pariser Klimaziele in Reichweite bleiben sollen.

Die Zivilgesellschaft muss gemeinsam mit der Wissenschaft konkrete und fundierte Forderungen an die Politik richten. Die Staaten sollen einen fairen Anteil an den notwendigen globalen Anstrengungen übernehmen. Dafür brauchen wir eine weltweite öffentliche Diskussion darüber, wie ein globales CO₂-Budget fair, ökonomisch sinnvoll und realisierbar auf Staaten aufgeteilt werden kann.

Dabei müssen alle auch ihre „moralische Komfortzone“ verlassen. Die Zahlen zeigen einen schwierigen Trade-off zwischen dem Einhalten der Pariser Klimaziele und Klimagerechtigkeit.

Diese Kurzdarstellung zeigt, wie wir zu NDCs kommen können, die in Summe Paris-kompatibel sind.

Referenzwerte als Grundlage eines Review-Prozesses

Die Budgeteigenschaft von CO₂ würde am besten abgebildet, wenn darüber diskutiert würde, welcher Anteil eines globalen Budgets einzelnen Staaten zustehen könnte. In der bisherigen Klimadiplomatie werden dagegen meist Emissionen zu einem zukünftigen Zeitpunkt auf Emissionen in einem früheren Jahr bezogen, etwa 2030 auf 1990.

Referenzwerte müssen aus nationalen Emissionspfaden abgeleitet werden, die in Summe mit einem vorgegebenen globalen CO₂-Budget kompatibel sind. Dabei stellt sich unmittelbar die Frage der Klimagerechtigkeit: Nach welchen Schlüsseln sollen die globalen Emissionen auf Staaten verteilt werden?

Das Extended Smooth Pathway Model (ESPM) bietet an, nicht in die Vergangenheit zu schauen und keinen komplexen Kriterienmix zu verwenden. Stattdessen verbindet es die aktuellen Emissionen eines Landes – und damit die derzeitige Realität – mit seiner Bevölkerung als Maß für Klimagerechtigkeit. Ergänzend bieten wir das Regensburger Modell an, das auf konvergierenden Pro-Kopf-Emissionen basiert.

So funktioniert das ESPM

Globales Budget aufteilen

Ein gewichteter Schlüssel verbindet den Anteil eines Landes an den globalen Emissionen und an der Weltbevölkerung im Basisjahr. Die Gewichtung des Bevölkerungsschlüssels kann frei vorgegeben werden.

Nationale Pfade ableiten

Aus dem nationalen Budget werden mit sechs RM-Szenariotypen plausible Emissionspfade abgeleitet. Sie unterscheiden sich im Verlauf der jährlichen Reduktionsraten beziehungsweise des Reduktionsbetrags.

Die sechs RM-Szenariotypen

Exemplarische Referenzwerte

Mit unseren Excel-Tools und Webanwendungen können Sie Paris-kompatible Referenzwerte mit dem ESPM für alle Länder der Welt berechnen.

Veröffentlichte ESPM-Beispiele

Europäische Union

Paris-kompatible Referenzwerte für die EU

Exemplarische Ergebnisse des ESPM für die Europäische Union.

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Big Six

Die sechs größten Emittenten

Referenzwerte bei unterschiedlichen globalen Rahmendaten.

Auf Zenodo öffnen
Big 35

Die 35 größten Emittenten

Referenzwerte unter möglichst realistischen Rahmendaten.

Auf Zenodo öffnen

Ein weiteres Tool leitet ein implizites CO₂-Budget für Deutschland aus dem Klimaschutzgesetz ab.

Referenzwerte nach dem Regensburger Modell

Eine vereinfachte Webanwendung bietet Ergebnisse für alle Länder der Welt.

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